Jahr 2013

Klangerlebnis mit Chor und Bigband

Harmony on Air kozertiert mit Jazzophonics aus Öhringen

Jazz ist nicht unbedingt das klassische Repertoire des Chors Harmony on Air. Doch für das Konzert unter dem Titel “Harmony meets Jazzos” mit der Hohenloher Bigband Jazzophonics hatten sich die Sänger um Dirigent Johannes Mittl in das Abenteuer “Lieder aus den 20ern und 30ern des letzten Jahrhunderts” gestürzt. Ein gelungenes Experiment, das zeigte der begeisterte Beifall des Publikums in der ausverkauften Affaltracher Turn- und Festhalle.

Bindeglied beider Formationen war Mittl selbst, der früher auch als Pianist bei den “Jazzos” spielte und noch heute regen Kontakt zu deren Dirigent Gottfried Stecker pflegt. Gemeinsam arbeiteten sie ein Programm aus, das vor allem Musicalmelodien und Hits aus der Hochzeit der Bigband-Ära in den Vordergrund stellte.Tansy Davis mit den Jazzos

Quasi als “Ansage” schickte Harmony on Air das Publikum mit den ersten Tönen “On the sunny side of the street” auf die sonnige Seite des Lebens. Schon hier wurde klar, mit welch perfekter Präzision die Sänger ihre Lieder interpretieren. Ein Klangerlebnis, das sich beispielsweise bei Stevie Wonders “You are the sunshine of my life” noch steigerte.

Auch am Piano gab’s das übliche Bild: Ein engagierter Johannes Mittl, der zwischendurch aufstand, um schwierige Passagen zu dirigieren, dann aber wieder in die Tastatur versank, höchstens mal durch das Wegwischen der nicht mehr benötigten Notenblätter auf den Boden seine Haltung veränderte.

Fliegender Wechsel gab’s auf der Bühne mit dem Auftritt der Jazzophonics. Für die 20-köpfige Formation eine Premiere, die sie aber gerne fortsetzen würden. Im Mittelpunkt vor allem Sängerin Tansy Davis, die dem Konzert eine professionelle Note gab. Ein Stichwort, das Moderator Matthias Wagner-Uhl auf Nachfrage in der Pause verneinte. “Wir sind keine Profis sondern nur begeisterte Vollblutamateure”, so der Saxophonist. Manuela WittwerEines bedauerten alle Akteure: Es gibt nur sehr wenig Notenliteratur, die eine Bigband und einen Chor verbindet. Deshalb freute sich das Publikum umso mehr über die gelungene Kooperation von “I can’t believe that you’re in love with me”. Ein fulminantes Klangerlebnis, das schier den Rahmen der kleinen Halle zu sprengen schien.

Den Titel “My funny Valentine” kündigte der Harmony-Vorsitzende Stephan Müller so an: “Unser Dirigent ist schon ganz heiß drauf”. Schon beim einfühlsamen Intro wurde klar, warum Mittl in diesen Tönen aufging. Es folgte ein spannungsgeladener Bogen von piano bis fortissimo. Aber auch beim Duo mit Tansy Davis “Hear my call” war Gänsehaut-Feeling angesagt.

Kein Wunder also, dass beim abschließenden Beifall vor allem Mittl im Mittelpunkt stand. Für den jungen Dirigenten war es nach sechs Jahren “Harmony” das letzte Konzert, da er einen Teil seiner Berufstätigkeit nach Berlin verlagern wird. “Der Chor hat unter ihm eine neue Qualität erreicht”, so Müller.

 

Text: Karin Freudenberger / Bilder: Dr. Fritz Vollmer

Artikel aus Heilbronner Stimme / Hohenloher Zeitung - 21.06.2013